Bibervorkommen im Aachener Raum

von Wolfgang Voigt

 

Der Biber (Castor fiber) galt für den Großraum Aachen wie für das gesamte Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. Wenn seit den 90er Jahren Biber-Beobachtungen gemacht werden, so sind sie im Zusammenhang mit Wiedereinbürgerungsprogrammen zu sehen. Solche Versuche hat es bereits 1981 in dem auch für unseren Bereich relevanten Gebiet des Hetzingerwaldes im Dreieck Schmidt – Nideggen – Heimbach gegeben. Erste Maßnahme ist die Auswilderung von fünf Exemplaren gewesen. Die Population soll von dort aus mittlerweile auf etwa 100 Familien angewachsen sein (Stand: 2003). Der Hetzingerwald ist übrigens zusammen mit dem Kermeter, dem ehemaligen Truppenübungsplatz Vogelsang und dem Dedenborner Forst im Nationalpark Eifel zu finden.

 

Im Wesentlichen erfolgt in unserer Gegend zunächst die Ausbreitung im Flusssystem der Rur und an der Wurm. Betrachtet man das Ganze großräumiger, so ist die Einordnung folgendermaßen vorzunehmen: Im belgisch-deutsch-niederländischen Grenzgebiet erstreckt sich das Bibervorkommen inzwischen von den Höhenlagen der Schnee-Eifel über die Gewässersysteme von Rur, Inde und Maas bis an den Niederrhein. Dort treffen die Biber bereits auf Artgenossen, welche aus einer niederländischen Wiederansiedlungsaktion im „Gelderse Port“ stammen.

 

An dieser Stelle werden Meldungen aus dem Großraum Aachen dokumentiert. Es sind jeweils die Jahre der ersten und letzten Erfassungen mit den jeweiligen Beobachtern angegeben, sofern durchgängige Feststellungen erfolgt sind. Gibt es größere Beobachtungslücken, so taucht das entsprechende Gebiet mit neuer Jahreszahl einer Wiederbeobachtung auf.

 

 

2014 / -        Auf der so genannten "Moll-Rundfahrt" wird am 15.2.2014 am Rückhaltebecken Herzogenrath ein schwimmendes Exemplar beobachtet. (ARNOLD NÖTHGEN / WINFRIED RATZKE / HEIDI RZEPKOWSKI / WOLFGANG VOIGT)

 

2013 / -         BRIGITTE BROSIUS entdeckt am Iterbach in Aachen-Walheim Fraßspuren.

 

2010 / -         Bei einem Ortstermin des Landschaftsbeirats der StädteRegion Aachen mit dem Wasserverband Eifel-Rur im Indetal bei Stolberg-Hamm wird ein schwimmender Biber beobachtet. Vorher hat man schon eindeutige Spuren an Bäumen entdeckt. (13.4., WOLFGANG VOIGT)

 

2010 / 2014    Auf einer Wurmtal-Exkursion des NABU Aachen-Land am 11.4.2010 nördlich Herzogenrath (Leitung: HANS RAIDA) wird ein Tier an einem Weiher gesichtet. (Quelle: WOLFGANG VOIGT) - Erneute Beobachtung am 30.4.2014 (HANS RAIDA)

 

2009 / 2011    MILAN PERLIC beobachtet am 23. August einen Biber an der Inde zwischen Eschweiler und Weisweiler / weitere Beobachtung am 21. April (PERLIC)

 

2008 / -         Rur bei Doveren (zunächst Fraßspuren, dann Sichtbeobachtungen und Fotodokumente am 23. Juni, PEGGY DOMAGK)

 

2008 / 2014   Auf einer OVA-Exkursion zum Barmener See bei Linnich am 27. Januar 2008 werden Fraßspuren festgestellt. Dieselben Beobachtungen macht man am 22. März 2009 (Quelle: GERHARD ERDTMANN). JÜRGEN GERARDS entdeckt am 16. Februar 2014 frische Biber-Fraßspuren am See.

 

2004 / -         Nach einer Pressemeldung wird am 15. Februar ein Tier aus dem Überlaufbecken der Kall-Talsperre gerettet. (AN online)

 

2002 / -         Rur bei Kirchberg im Jülicher Land (zukünftiger Braunkohle-Tagebau; HERMANN SCHMALDIENST)

 

2002 / -         NSG Unteres Broichbachtal bei Noppenberg (WERNER BARTES)

 

2002 / -         Kalltal und Nebentäler von Kallbrück bis Zerkall (KREIS DÜREN)

 

2001 / 2003   Mehrere Bachtäler an der Wehebach-Talsperre (KARL GLUTH / ARNO KOHLERT)

 

2001 / 2003   Obersee bei Einruhr (mindestens drei Tiere; HERBERT WOLGARTEN / HERBERT WOLGARTEN)

 

2000 / -         Oberes Kalltal (GÜNTER KRINGS; vgl. 1999, Bickerath!)

 

2000 / -         Rurstaubecken Heimbach (Quelle: LANDWIRTSCHAFTSKAMMER RHEINLAND)

 

2000 / 2003   Wurmtal bei Nivelstein in Herzogenrath (GÜNTER VENOHR / AACHENER ZEITUNG)

 

1999 / -         Kalltal bei Bickerath (GÜNTER KRINGS; vgl. 2000, Oberes Kalltal!)

 

1999 / -         Wurmtal bei Herzogenrath-Worm (Exkursion des NABU Aachen-Land)

 

1999 / 2010   Wurmtal beim Alten Bahndamm in der Nähe des Kälberbend in Herzogenrath (GÜNTER VENOHR / Exkursion des NABU Aachen-Land, HANS RAIDA und WOLFGANG VOIGT)

 

1999 / -         Flaschenweiher im Wurmtal nördlich Herzogenrath (NICO SCHAAFSTRA)

 

1976 / 2002   Narzissengebiet im Perlbachtal (Paar, GERHARD MOLL / KARL GLUTH; bestätigt von DR. ANSGAR SCHULTE, 1976: "befahrene Burg im Perlbachtal" [E-Mail vom Januar 2018])

 

 

Bibermeldungen aus dem Aachener Raum bitte an:

 

Wolfgang Voigt, Entenweg 12, 52477 Alsdorf

wolfg.voigt@web.de

 

Stand: 11. Januar 2018

Der Biber ist wieder auf dem Damm

Biberbaum
Biberbaum

Im Nationalpark Eifel finden zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. So auch der Biber, der durch menschliche Verfolgung zu Beginn des 20. Jahrhunderts europaweit fast ausgerottet wurde. Mittlerweile ist der Biberbestand in Deutschland dank erfolgreicher Artenschutzmaßnahmen und Wiederansiedelungen auf mehr als 5000 Individuen angewachsen. In NRW tritt der Biber seit 20 Jahren vereinzelt wieder auf. Die Beobachtung des seltenen, dämmerungs- und nachtaktiven Tieres in freier Wildbahn ist sehr schwierig. Wenn man jedoch die Lebensweise von “Meister Bocket” ein wenig kennt, kann man im zukünftigen Nationalpark Eifel vielleicht seine Spuren entdecken.
Das größte Nagetier Europas - Körperlänge: 1,20 Meter; Gewicht: 25 bis 36 Kilogramm - bewohnt im Familienverband die Uferbereiche von Gewässern. Mit den Schwimmhäuten an den Hinterfüßen und dem platten, geschuppten Schwanz - der Kelle - ist der Biber gut an ein Leben am Wasser angepasst. Der ausgezeichnete Schwimmer kann bis zu 20 Minuten tauchen.
Der Bau wird erstaunlich geschickt gestaltet. Im Sommer und auf Wanderschaft scharren die Tiere meist nur kleine Erdmulden, die Sassen, aus. Dagegen graben die Biber im Winter und zur Jungenaufzucht unter Wasser beginnend eine Erdröhre in den Uferbereich, die im Wohnkessel endet. Dieser befindet sich immer über dem Wasserspiegel. Bricht das Erdreich über dem Kessel ein, wird von oben mit Ästen und Schlick abgedeckt. Die sogenannte Biberburg ist dann weithin sichtbar. Um den Eingang der Burg ständig unter Wasser zu halten, legen die Tiere bis zu 120 Meter lange Dämme an.
Biber können Bäume mit einem Durchmesser von bis zu 60 Zentimeter fällen. Diese werden in Form der typisch kegelförmigen Anschnitte benagt und dann zum Wasser geschleift. So gelangen die Tiere an Baumaterial sowie an Nahrung: Die reinen Pflanzenfresser vertilgen Triebe, Blätter und Rinde. Zudem verspeisen sie Kräuter und Wasserpflanzen. Der Grünfutterbedarf beträgt bis zu 1,5 Kilogramm pro Tag. Um bei Gefahr schnell abtauchen zu können, wird die Nahrung meist am Wasser verspeist. Für den Winter legen die Tiere Nahrungsvorräte in Form von Reisighaufen im Wasser an.
Die Fähigkeit zur Lebensraumgestaltung bringt den Biber dort, wo er weiter verbreitet ist, häufig in Konflikt mit menschlichen Nutzungsinteressen. Der NABU gibt dabei zu Bedenken, dass solche Konflikte dann auftreten, wenn die Tiere durch menschliche Landnutzung im Lebensraum stark eingeengt sind. Ein Beispiel: Plündern Biber Obstplantagen oder Forstkulturen fehlt vermutlich die natürliche Uferbestockung. Der Schwerpunkt der Schutzaktivitäten sollte auf die Wiederherstellung ausreichend großer Lebensräume gesetzt werden. Angesichts der allgemein positiven Bestandsentwicklung sind weitere Wiederansiedelungsvorhaben dagegen nicht erforderlich.

Biber – manchmal noch rätselhaft


von Hans Raida

 

Der Biber, in unserer Region ausgestorben, wurde mit menschlicher Unterstützung wieder angesiedelt. Im Einzugsbereich von Rur und Maas ist er flächendeckend und zahlreich verbreitet. Seine Spuren, gefällte Bäume, sind deutliche Zeichen in seinem Lebensraum. Aber er ernährt sich nicht nur von Baumrinde. Etwa 80 Pflanzenarten gehören zu seinem Nahrungsspektrum. Auf den Feldern an der Isar gehören auch Zuckerrüben dazu. Soweit die Einleitung.

 

Mitglieder des NABU Aachen-Land besichtigten ein Grundstück in Herzogenrath in den Wurmauen. Die Parzelle ist um 1950 mit Pappeln aufgeforstet worden. Zur Aufforstung gehören auch 30 Fichten. Der Unterbewuchs besteht aus Erlen, Eschen und Ahorn. Der Biber lebt seit 2002 nördlich und südlich von Herzogenrath an der Wurm. Deutlich sind an mehreren alten Pappeln die abgenagten Späne zu erkennen. An sieben nebeneinander stehenden Fichten sind rund um den Stamm feine Kratzspuren zu erkennen, aus denen Harzperlen quellen. Diese Spuren konnten zunächst keinem Tier zugeordnet werden. Auch Fachleute aus Forst und Jägerschaft wussten keine Erklärung. Den entscheidenden Hinweis lieferte Ulrich Haese, Dipl.-Biologe. Ihm war bekannt, dass weibliche Biber während der Aufzucht der Jungen solche Kratzspuren an Fichten verursachen. Damit ist aber bisher noch nicht geklärt, welchen Zweck dieses Verhalten hat. Die installierte Fotofalle erbrachte keine Ergebnisse. Es ist am wahrscheinlichsten, dass feine Späne der Rinde als Nahrung aufgenommen werden.


Herzogenrath, Oktober 2015

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3. JULI 2019

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