Saatkrähen-Kolonien im Aachener Raum

von Wolfgang Voigt

 

Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) ist im Aachener Raum seit 1962 Brutvogel. Im Gegensatz zur verwandten Rabenkrähe (Corvus corone corone), welche Einzelhorste bewohnt, nistet sie in Kolonien. Sie fällt daher eher auf und erweckt den Eindruck, dass es in der Region einen Überbesatz gibt. Häufig sind aber auch die zahlreichen Wintergäste aus dem Osten Europas schuld an den Forderungen gegenüber der Kreisbehörde, Abschussgenehmigungen zu erteilen. Dies ist vor allem dann der Fall gewesen, wenn sich einst in der kalten Jahreszeit an den guten Futterplätzen auf der Kreismülldeponie in Alsdorf-Warden oder auf der Deponie Maria Theresia bei Niederbardenberg bis zu tausend Exemplare versammelt haben.

 

Die erste Brutkolonie hat Gerhard Moll im März 1962 in Eschweiler an der Inde entdeckt. Er hat damals etwa 30 Nester auf Pappeln festgestellt. Die Bäume sind 1969 nach Sturmschäden gefällt worden. Eine andere Eschweiler Kolonie ist aus dem Jahre 1977 belegt; bei „Leuchters Mühle“ hat es 25 Nester gegeben (WINKEL, Quelle: MOLL-Tagebuch Nr. 27).

 

Es gibt eine Reihe von Einzelfeststellungen, die im folgenden aufgelistet sind:

Beim niederländischen Vaals zählt Gerhard Moll im Jahre 1963 etwa zehn Nester in einer Kolonie.

1978 wird eine kleine Kolonie mit acht Nestern im Wurmtal nahe dem Further Wald in Herzogenrath entdeckt.

Einzelansiedlungen gibt es auch im Alsdorfer Stadtgebiet: Sieben Nester in einem Baumbestand „An der Mariensäule“ im Jahre 1975 und zehn Nester im Jahre 1997, sechs Nester an der Posener Straße in Alsdorf-Ost ebenfalls 1997.

 

1963 beginnt die längere Ansiedlung der Saatkrähe im Alsdorfer Stadtzentrum: Im Burggarten sind 1963 drei Horste zu finden, 1964 sind es vier und in den Jahren 1965 und 1966 fünf. Der Höchststand wird dort im Jahre 1975 mit sieben Nestern erreicht. 1976 sind es fünf. In den Jahren 1978, 1979, 1982, 1983 und 1984 werden jeweils nur noch zwei besetzte Horste festgestellt.

 

Die Kolonie an der Bergehalde Adolf in Merkstein hat von 1967 bis 1992 bestanden und den Status eines Naturdenkmals besessen. Hier gibt es fast durchgängig Bestandszahlen:

1967: 8 Horste, 1968: 7, 1969: 10, 1970: 16, 1971: 15, 1972: 22, 1973: 16, 1974: 23, 1975: 11, 1976: 10, 1977: 21, 1978: 11, 1979: 23, 1980: 36, 1981: 39, 1982: 42, 1983: keine Zählung, 1984: 48, 1985: 49, 1986: 48, 1987: 63, 1988: mehr als 80, 1989: 57, 1990: 55.

 

Auf dem EBV-Betriebsgelände von Anna 3 bei Alsdorf-Neuweiler gibt es 1983 die ersten zwei Nester. Bis 1989 wächst die Kolonie auf 33 Nester an. Diese Zahl wird auch im Jahre 1990 gehalten. 1992 sind es 50 Horste. Im Jahre 1993, in dem NABU-Mitarbeiter noch einmal 28 Brutpaare registrieren, stellt der EBV an den Kreis Aachen den Antrag auf Fällung des Pappelbestandes. Gegen die Proteste der Naturschützer genehmigt die Behörde die beantragte Maßnahme. Im Oktober 1993 fallen die Brutbäume. Der vom NABU Aachen-Land vorhergesagte Umzug der Krähen in das Alsdorfer Stadtgebiet tritt tatsächlich ein, wie die folgenden Angaben belegen:

 

Im Südpark in der Nähe des Denkmalplatzes, dem ehemaligen Friedhof am Ohligsweg, tauchen 1993 die ersten Saatkrähen auf und bauen zunächst fünf Nester, 1994 sind es bereits neun und 1995 immerhin 18. Im darauffolgenden Jahr erreicht die Kolonie einen vorläufigen Höchststand mit 22 besetzten Nestern, bevor 1997 nur noch ein Nest übrig bleibt. NABU-Fachleute vermuten die Ursache in Baumaßnahmen an der gegenüberliegenden Post. Die Kolonie zieht zum nahegelegenen St.-Brieuc-Platz um, wo in diesem Jahr sozusagen aus dem Nichts eine Kolonie mit 26 Horsten entsteht. Deren Entwicklung wird im Anschluss geschildert. Im Südpark sind 1999 wieder 15 Nester besetzt, 2000 elf. 2001 stellt Hans Raida aus Herzogenrath 18 Brutpaare fest. Karl Gluth und Wolfgang Voigt zählen 2002 35 besetzte Nester. Im Jahre 2003 gibt es hier kein Brutpaar mehr. Im März 2004 hält sich zwar ein Brutpaar hier auf; es ist aber unwahrscheinlich, dass eine Einzelbrut stattfindet.

 

Zur Entwicklung der Kolonie auf den Platanen am Alsdorfer St.-Brieuc-Platz gibt es bisher folgende Daten:

1998: 20 besetzte Nester, 1999: 25, 2000: 26, 2001: 29, 2002: 31, 2003: 60, 2004: 48.

Am 15. Dezember 2003 beobachtet Gerhard Moll an dieser Stelle zehn Paare, zum Teil in Balzstimmung.

(Im Frühjahr 2000 werden in diesem Brutgebiet tote Exemplare unter den Brutbäumen gefunden. Man vermutet als Ursache die Aufnahme von Rattengift.)

 

Eine weitere „Zweigstelle“ der Südpark-Kolonie hat sich auf einem Baum an der Ecke Annastraße / Robert-Koch-Straße entwickelt. Auch hierzu gibt es Belege:

1998 und 1999 je ein Nest, 2000 drei Horste, 2001 ein Brutpaar, 2002 sechsBrutpaare, 2003 acht, 2004: sechs, 2007 drei.

 

Das Alsdorfer Stadtgebiet ist im Jahre 1993 vermutlich nicht das einzige Umzugsziel der Krähen von Anna 3 gewesen. In einem Waldstück im benachbarten Siersdorf tauchen in diesem Jahr 48 Brutpaare auf, 1994 werden 68 besetzte Nester registriert. Bis zum Jahre 1999 wächst die Kolonie auf etwa 160 Brutpaare an. Im November 2000 werden trotz der Proteste des NABU Aachen-Land Durchforstungsmaßnahmen durchgeführt. Im Jahre 2001 bleiben 54 Brutpaare übrig. Nachdem 2002 erneut Baumfällarbeiten erfolgt sind, ist diese Kolonie vollständig erloschen. Karl Gluth findet kein einziges Brutpaar mehr vor.

 

Im Bereich Baesweiler liegen bisher folgende Zahlen aus einer Kolonie in Oidtweiler/Kloshaus vor: 2002: 81, 2003: 58 (GLUTH).

 

Größere Kolonien sind mir außerdem von folgenden Orten bekannt: in Aachen am Allenring zwischen Hansemann- und Kaiserplatz (März 1993: 13 Nester, VOIGT; 1997: 25 Nester, SEULEN; 2009: 43 Nester, VOIGT), in Aachen-Laurensberg (1987: sechs Nester, RAIDA; 1988: 20 Nester, RAIDA; 1997: 117 Brutpaare, FREUDENSTEIN; 2004: 58, LANGE/VOIGT) und in der Aachener Soers (1994: 25 Brutpaare BEELITZ; 1997: 60 Brutpaare, FREUDENSTEIN; 1998: 27 Nester, MOLL). In Heinsberg hat es im Jahre 1994 gar 450 Brutpaare gegeben! (M.GELLISSEN/M.RASCHKE, Quelle: CHARADRIUS)

 

Stand: 26. März 2009


Wolfgang Voigt, Entenweg 12, 52477 Alsdorf
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