Uferschwalben-Kolonien im Aachener Raum

von Wolfgang Voigt

 

Die Uferschwalben - etwas kleiner als Mehlschwalben - sind erkennbar an brauner Ober- und weißer Unterseite mit braunem Brustband. Sie bevorzugen offene Graslandschaften mit senkrecht abfallenden Lehm- oder Sandwänden an Flüssen, Seen und Teichen. Auch an den Steilküsten der Meere graben sie ihre bis zu eineinhalb Meter langen, horizontalen Niströhren, wobei sie Füße und Schnabel einsetzen.

Im Raum Aachen beschränken sich die Vorkommen ausschließlich auf Sekundärbiotope. Nachweise liegen aus den Braunkohle-Tagebauen sowie aus den Kies- und Sandgruben der Region vor. Dort unterliegen die Populationen ständigen Schwankungen, was vor allem auf die Beschaffenheit der Steilwände und auf Störungen durch menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Dokumentiert sind die Kolonien in den MOLL-Tagebüchern seit dem Jahre 1955. Das älteste belegte Vorkommen liegt dabei im Bereich der Nivelsteiner Sandwerke bei Herzogenrath. Da dieses bis in die jüngere Zeit existiert hat, wird es hier als letztes behandelt.

 

Gerhard Moll erwähnt in einem seiner Tagebücher für das Jahr 1967 eine kleine Kolonie beim belgischen La Calamine, ohne jedoch nähere Angaben zum Bestand der Tiere zu machen.

 

Konkreter sind die Daten zu einer Kiesgrube im Unteren Broichbachtal beim heutigen Herzogenrather Stadtteil Noppenberg:

1964: 31 Brutröhren, 1965: 12, 1966: 12, 1967: 51, 1968: 161, 1969: 5, 1970: 56, 1971: 46.

Seit dem Jahre 1972 ist der Bestand erloschen, da die Grube zugekippt worden ist.

 

Die Kieswäsche in Kinzweiler hat Ende der 70er Jahre vorübergehend eine Kolonie beherbergt:

1978: etwa 20 Brutröhren, 1979: 29.

 

Auch für das Gelände der Kreismülldeponie in Alsdorf-Warden ist das Vorkommen von Uferschwalben belegt. Nachdem seit Juli 1977 in dem ehemaligen Braunkohle-Tagebau Vorbereitungsmaßnahmen getroffen worden waren, hat man im Juli 1982 offiziell mit dem Bau der Deponie begonnen. Am 6. April 1983 ist sie mit Eschweiler Müll eingeweiht worden. Nach Gerhard Moll hat hier zwischen 1978 und 1984 eine Uferschwalben-Kolonie bestanden.

1978: 25 Brutröhren, 1979: 25, 1980: 40, 1981 bis 1982: keine Zählung, 1983: 105, 1984: 37

 

Über einen relativ langen Zeitraum (1956 bis 1985) sind die Gruben im Oberen Broichbachtal von Uferschwalben besiedelt gewesen. Diese haben sich bei Blumenrath, bei der Broicher Siedlung und beim Kloster Broich befunden. Die MOLL-Tagebücher enthalten folgende Zahlen:

1956: 31 Brutröhren, 1957: 50, 1958: 20, 1959: 30, 1960: 50, 1961: 63, 1962: 55, 1963: 40, 1964: 24, 1965: 89, 1966: 129, 1967: 134, 1968: 211, 1969: 125.

Ab 1970 bleibt nur die Sandgrube am „Broicher Bend“ übrig. Die anderen werden stillgelegt und letztlich verfüllt. Hier entwickelt sich die Kolonie folgendermaßen weiter:

1970: 178 Brutröhren, 1971: 161, 1972: 114, 1973: 30, 1974: 51, 1975: 44, 1976: 24, 1977: 16, 1978: 10, 1979: 17, 1980: 47, 1981: 48, 1982: 71, 1983: 48, 1984: 22, 1985: 12.

 

Die Kolonie in den Nivelsteiner Sandwerken hat sich am längsten gehalten. Warum heute die Kolonie völlig erloschen ist, obwohl der Abbaubetrieb weiter geht, ist noch nicht geklärt. Hier die Daten von 1955 bis 2001:

1955: 129 Brutröhren besetzt; 1956 bis 1967 liegen keine Zahlen vor; 1968: 146, 1969: 74, 1970: 157, 1971: 101, 1972: 205; 1973 und 1974: keine Zahlen; 1975 47, 1976: 104, 1977: 120, 1978: 150, 1979: 163, 1980: etwa 400; 1981: keine Zahl; 1982: über 300, 1983: 206, 1984:276, 1985:130, 1986: 260, 1987: unter 100, 1988: 160, 1989: 270, 1990: 202, 1991: 270, 1992: 241, 1993: 130, 1994: 145, 1995: 192, 1996: 248, 1997: 148, 1998: 161, 1999: 215, 2000: 262.

Im Jahre 2001 werden nur noch sechs beflogene Brutröhren registriert. Im darauffolgenden Jahr ist die Kolonie erloschen. Obwohl im Frühjahr 2002 WERNER BARTES noch einige Exemplare fliegen sieht, können in diesem Jahr trotz intensiver Nachsuche keine Brutröhren mehr aufgefunden werden (HANDSCHUR, NÖTHGEN, RAIDA, VENOHR, VOIGT). Umfangreiche Kontrollen am 5. Juli 2003 und 22. Mai 2004 bringen ebenfalls keine positiven Ergebnisse (BARTES / HANDSCHUR / MOLL / NÖTHGEN / VOIGT).

 

Im Jahre 2005 wird diese Dokumentation (vorübergehend) abgeschlossen, da im Untersuchungsgebiet keine Uferschwalben mehr nachgewiesen werden!

 

2008 gibt es eine neue Kolonie bei Herzogenrath-Hofstadt. Diese existiert aber nur vorübergehend, da nach der Sand-Gewinnung unmittelbar eine Rekultivierung erfolgt. (RAIDA, CÜPPER, NÖTHGEN / VOIGT)

 

Im Jahre 2009 wird eine neue Kolonie in der erweiterten Nivelsteiner Sandgrube registriert. Zunächst beobachten BERNHARD CÜPPER, ARNOLD NÖTHGEN und WOLFGANG VOIGT am 23.5.2009 neun Exemplare, welche eine nicht einsehbare Steilwand anfliegen; sie vermuten beflogene Brutröhren. Später hat ULRICH HAESE Einblick in die Grube und schätzt in zwei Wänden 50 und 30 neue Brutröhren. Bei der Auswertung von Fotodokumenten ermittelt HANS RAIDA im Oktober 2009 genauere Zahlen: 29 und 25 beflogene Brutröhren.

 

HANS RAIDA hat auch Fotodokumente von neuen Kolonien in der Herzogenrather Sandgrube „Im Hochfeld“. Dort zählt er für 2009 an zwei Stellen 22 und 10 besetzte Brutröhren.

 

Stand: 17. Oktober 2009 

Letzte Aktualisierung:

20. AUGUST 2019

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