2012: Uhu-Brut auf der Bergehalde Anna 1 in Alsdorf

von Wolfgang Voigt

Uhubeobachtungen gibt es in Alsdorf schon seit einiger Zeit. Die erste erfasste Feststellung ist in einem Tagebuch von Gerhard Moll aus dem Jahr 1982 belegt und zwar für den Bereich des nahegelegenen Stadtteils Duffesheide.

 

Die Nachweise für Alsdorf häufen sich aber erst seit 2000, möglicherweise durch Jungvögel aus dem Raum Stolberg und den dortigen Steinbrüchen. Die Schwerpunkte liegen hierbei in Mariadorf, Hoengen, im Bereich Alsdorfer Nordfriedhof sowie in Busch und vor allem in Ofden.

 

Im Winter 2001 / 2002 ergibt sich erstmals ein Brutverdacht, vor allem auch, weil im Bereich des Alsdorfer Tierpark zwei Exemplare gesichtet werden. Zudem scheinen die Tiere zumindest ihren Jagdbereich auf die Bergehalde Anna 1 auszudehnen.

 

Eine vergleichbare Häufung gibt es seit dem September 2011. So meldet Kirsten Bock der Gruppe Broichbachtal am 19.9. Rufe von der Bergehalde Anna 1. Mit großer Wahrscheinlichkeit antwortet ein Weibchen vom Rande des Zopper Walds her. Im November (Silvia Werthmann) und Dezember (Frank Beetz) werden nächtliche Rufe am Rande des Ofdener Felds gehört. Im Februar 2012 verdichten sich die Feststellungen von Rufen, konkret im Bereich von Anna 1 (Kirsten Bock). Zeitgleich zu diesen Beobachtungen hat Hubert Demmer nahezu durchgängig im Raum Schloss Ottenfeld, Duffesheide und Reifeld fliegende Tiere bei ihrer nächtlichen Jagd gesehen.

 

Anfang April 2012 werden dann durch Ofdener Jugendliche erstmalig drei junge Uhus auf der Bergehalde Anna 1 entdeckt. Man kann aus den Umständen des Auffindens nur vermuten, dass sie auch auf der Halde erbrütet worden sind. Es gibt dort seit einiger Zeit anthropogen entstandene Simse mit Überhang im Steilwandbereich, welche als Brutplätze geeignet sein dürften.

Uhuberingung auf der Bergehalde Anna 1

 

 

 

Am 21. April 2012 werden die Anfang April auf der Alsdorfer Bergehalde Anna 1 entdeckten Junguhus beringt.

Bernd Bäumer (links) und Stefan Brücher von der EGE in Bad Münstereifel führen die Beringung durch.
Bernd Bäumer (links) und Stefan Brücher von der EGE in Bad Münstereifel führen die Beringung durch.

 

Bernd Bäumer: "Die Beringung mancher Vogelarten ermöglicht es, mehr über die einzelnen Arten herauszufinden und damit auch zu erkennen, wie man ihnen helfen kann. Manche Fragen zur Brutbiologie konnten so geklärt werden. Wie weit entfernen sich zum Beispiel die Jungtiere vom elterlichen Brutplatz oder wie alt können die Tiere werden. Bei vorsichtigem Umgang mit den Tieren ist die Störung durch die Beringung nur kurz und hat keine Auswirkungen auf ihr späteres Verhalten."

 

 

Stefan Brücher: "Die Beringung der Uhus wird von wenigen Mitarbeitern übernommen, während andere Aufgaben im Eulenschutz in Absprache mit den Naturschutzvertretern vor Ort durchgeführt werden. Dies sind vor allem die Ortsgruppen des NABU und des BUND. Einigen Alsdorfern werden Namen wie Herr Moll, Herr Gluth oder die Gebrüder Hennes bekannt sein, die bereits in den siebziger Jahren mit dem Eulenschutz in und um Alsdorf begonnen haben."

 

Zitate: und sonst?! - Alsdorfer Stadtmagazin, 3/2012

Fotos: Fabian Brants und Wilfried Schüller (mit freundlicher Genehmigung durch Marina Brants)

 

Kontakt zu den Eulenschützern: Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V.

Bergehalde Anna 1 - ein Blick zurück

Anna 1 von der Bergehalde Anna aus gesehen (Foto: Wolfgang Voigt)
Anna 1 von der Bergehalde Anna aus gesehen (Foto: Wolfgang Voigt)

In der Chronik des NABU Aachen-Land ist zu lesen:

 

07.11.1999 Der NABU Aachen-Land kündigt in einer Presseerklärung “massiven Widerstand gegen die Pläne des EBV an, einen Großteil der Bergehalde Anna I abzutragen, um Platz für Wohnbebauung und Straßenbau zu schaffen”.

 

Nach Meinung unseres Verbandes und zunehmend anderer Gruppierungen käme es einer Katastrophe für die Natur, aber auch die Lebensqualität in Alsdorf gleich, wenn das Vorhaben des ehemaligen Bergbaubetriebs Realität würde.

 

Ein Kapitel in der Veröffentlichung "Natur und Naturschutz in Alsdorf" fasst die Bedeutung der Berghalde Anna 1 eindrucksvoll zusammen und wird daher an dieser Stelle als Auszug wiedergegeben:

 

 

Anna 1

 

Anna 1 ist Alsdorfs älteste Halde und fällt wegen ihrer Lage an der B 57 jedem Autofahrer ins Auge, der von Würselen kommend auf Alsdorf zusteuert. Sie ist seit etwa 1850 aufgefahren worden, beinhaltet 15 Millionen Tonnen Berge und brennt bis zum heutigen Tage in Teilbereichen. Hoher Kohleanteil und enormer Druck haben solche Schwelnester entstehen lassen. Das Löschen mit Wasser verbietet sich durch die dadurch drohende Explosionsgefahr. So hat Anna 1 ein besonderes Mikroklima, was sich besonders im Winter zeigt: Sie ist bereits wieder schneefrei, wenn das Umfeld noch in Weiß gehüllt ist.

Dem aufmerksamen Naturbeobachter fallen relativ häufig Greifvögel auf, die über oder am Rande der Halde - oft in großer Höhe - ihre Kreise ziehen. Sie nutzen hier die Thermik aus. Über dem dunklen Bergematerial erhitzt sich die Luft und steigt an den Hängen bis in große Höhen auf. Die Greife lassen sich in diesem Aufwind treiben und schrauben sich so bequem in den Himmel. Andererseits ist das unwegsame Gelände, das so gut wie nie von Menschen aufgesucht wird, ein optimales Jagdrevier. Dabei spielt unter anderem der Reichtum an Kleinsäugern eine ganz wesentliche Rolle.

Der Baumfalke, der schnellste von den Falkenarten, ist allerdings ein geübter Flugjäger. Zu seinen Beutetieren gehören Lerchen und Schwalben. Er reißt seine Beute in der Luft und nimmt dabei auch alle anderen Vögel bis zu Taubengröße, notfalls auch Fluginsekten. Die hier beobachteten Exemplare stammen vermutlich aus dem Brutrevier Further Wald im benachbarten Herzogenrath.

Seitdem der Wanderfalke in einem NABU-Brutkasten auf dem Gelände des Kraftwerkes Weisweiler Junge aufzieht, sieht man diesen tauben- bis rabengroßen Greif auch in Alsdorf wieder häufiger. Er stellt Dohlen, Krähen und Tauben nach, fliegt dabei pfeilschnell durch die Luft und schlägt die Beute im Flug. Dieser Falke sitzt häufig auf dem Boden und verrät sich durch seine Rufe („Kjiak-kjiak“ oder „Gä-gä-gä“).

Der Turmfalke hat dank der Nisthilfen des NABU mehrere Brutreviere in Alsdorf, so zum Beispiel in einem Nistkasten an der katholischen Kirche St. Barbara in Ofden und auf einem Hochspannungsmast bei Duffesheide. Vielen Autofahrern ist dieser Greifvogel bekannt, wenn er heftig mit den Flügeln schlagend, „rüttelnd“ neben den Fahrstraßen in der Luft steht und sich plötzlich wie ein Stein herabfallen lässt. Der „Rüttelfalke“ (so sein volkstümlicher Name) ist unser eifrigster Mäuse- und Insektenvertilger und damit auch häufiger Gast im Bereich der Bergehalden. Er schlägt seine Beute nahezu ausschließlich am Boden.

Der Mäusebussard brütet im Hangwald des Broichbachtales und jagt in freiem Gelände, eben auch auf den Bergehalden. Anders als sein Name erwarten lässt, ist sein Speiseplan durchaus abwechslungsreich. Neben allen Arten von Mäusen nimmt er Frösche, Schlangen, gelegentlich auch Jungvögel. Auch Ratten, Maulwürfe, Hamster und hin und wieder Junghasen zählen zu seinen Beutetieren. Oft genug begnügt er sich aber auch mit Insekten. Ob er der häufigste Greifvogel im Alsdorfer Stadtgebiet ist, mag dahin gestellt sein. Jedenfalls ist er der auffälligste, wenn er allein seine weitausladenden Spiralen zieht und dabei seinen katzenähnlichen Ruf weithin erschallen lässt. Besonders imposant sind aber auch die Balzflüge der beiden Partner. Waltraud Schilke aus Zopp, der so manche Naturbeobachtungen in Alsdorf zu verdanken sind, hat 1997 ein seltenes Erlebnis: zwei Mäusebussarde kämpfen über der Halde mit einem etwas größeren Kolkraben. Immer wieder hat es vorher Meldungen von einem großen Rabenvogel gegeben, jedoch haben die Fachleute nicht so recht daran glauben mögen. Hier ist nun durch den unmittelbaren Größenvergleich der erst sichere Nachweis gelungen. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, daß es sich um ein Exemplar handelt, das einige Zeit vorher aus dem Alsdorfer Tierpark entwichen ist.

Der Sperber schließlich schlägt bevorzugt die kleinen Finken- und Sperlingsvögel, mit etwas Glück auch Schwalben. Das deutlich größere Weibchen wagt sich dagegen auch an Eichelhäher, Drosseln und Tauben. Dieser Greif kommt in letzter Zeit bis in die Gärten der Siedlungen und verunglückt auf der Jagd nach Singvögeln nicht selten an Fensterscheiben.

Neben den Greifvögeln gibt es im Bereich von „Anna 1“ noch weitere Flugkünstler. Es sind dies Mauersegler sowie Mehl- und Rauchschwalben, die oft in großer Zahl über der Halde ihre Jagdflüge veranstalten. Sie kommen von ihren Brutgebieten hauptsächlich der zahlreichen Insekten wegen hierher. Wo keine Insektizide angewendet werden und Herbizide ihre Nahrungsgrundlagen nicht gefährden, ist eine vielfältige Insektenfauna entwickelt.

Die Halde Anna 1 ist 1989 wegen eines Kreuzkrötenbiotops in die Schlagzeilen gekommen. Die Stadt Alsdorf hat eine Verlegung der Prämienstraße entlang dem Haldenfuß geplant, um die Spitzkehre im Bereich des alten Bahnübergangs an der Bahnhofstraße zu entschärfen. BUND und DBV haben sich für das Laichgebiet engagiert und schließlich 1990 bei der Bezirksregierung erreicht, daß das Projekt nicht realisiert worden ist. Zudem ist der Bereich im Landschaftsplan I seit 1991 besonders geschützt. Dennoch hat es in den 90er Jahren wiederholt Bemühungen auf der politischen Ebene gegeben, diesen Schutz durch neue Planungen zu unterlaufen. Immer wieder müssen Naturschützer auch feststellen, daß man versucht, den Biotop durch Aufreißen oder Aufgraben zu zerstören. Dies ist auch in einem Gutachten vom Landschaftsplanungsbüro Inge Schulz (Würselen) von 1997 dokumentiert.

Ende 1999 schreckt der EBV die Öffentlichkeit mit Plänen auf, die brennende Halde zu einem Großteil abzutragen, um Raum für Wohnbebauung und Straßenbau zu schaffen. Dies stößt bei Naturschutzverbänden und Parteien auf heftige Kritik. Der breite Widerstand quer durch Alsdorfer Vereine führt schließlich zur Aufgabe der Planung seitens des EBV.

 

(Auszug aus: WOLFGANG VOIGT, Natur und Naturschutz in Alsdorf. Alsdorf 2001)

2012: Möglicher Uhu-Brutplatz auf der Alsdorfer Bergehalde Anna 1

 

Nur wenn der Naturschutz auf den Bergehalden konsequent durchgesetzt wird und auf den noch nicht von Tourismus erfassten Bereichen das allgemeine Betretungsverbot erhalten bleibt, können wir für die Zukunft auf weitere ungewöhnliche Naturereignisse hoffen.

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