Hauptsache bunt ("Mössinger Sommer")

von Wolfgang Voigt

 

In vielen Gemeinden hat in den letzten Jahren die Unsitte um sich gegriffen, relativ kleine Flächen aufwändig zu kultivieren, um darauf bunte Blumenwiesen anzusäen.

 

Glaubt man Google und Wikipedia, so ist diese „Tradition“ auf Mössingen, die so genannte „Blumenstadt“ in Baden-Württemberg (Landkreis Tübingen) zurückzuführen, wo heutzutage offenbar clevere Geschäftsleute aus billigstem Saatgut enorme Erträge erzielen.

 

Es wird propagiert, dass Bienen und andere Insekten geradezu auf diese Pflanzen warten, um überhaupt noch überleben zu können. Des weiteren versucht man dem Kunden weiszumachen, dass einheimische Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, wieder angesiedelt werden.

 

Von mir recherchierte Daten belegen eher das Gegenteil. Sie sind in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet:

 

Name

Herkunft

 

 

Bechermalve (Lavatera spec.)

Südeuropa, Nordafrika

Borretsch (Borago officinalis)

Gewürzkraut aus dem Mittelmeerraum

Buschwinde (Convolvulus spec.)

Mittelmeergebiet oder Nordamerika (Züchtungen)

Färbermädchenauge (Coreopsis tinctoria)

USA, Kanada

Goldmohn, Schlafmützchen (Eschscholzia californica)

Kalifornien / USA

Kapmargerite (Osteospermium spec.)

Afrika (vorwiegend Südafrika)

Kornblumen (Stammform: Centaurea cyanus)

Bunte und „gefüllte“ Züchtungen

Blauer Lein (Linum usitatissimum)

alte Kulturpflanze (ursprüngliche Wildformen: Iran, Türkei)

Liebes-Hainblume (Nemophila menziesii)

Australien

Marienkäfer-Mohn (Papaver commutatum)

Türkei, Iran, Kaukasus

Meerviole (Muscari armeniacum)

Griechenland, Albanien

Morgenröschen (Atocion armeria)

Mittelmeergebiet

Nachtviole (Hesperis spec.)

Eurasien (u.a. H. matronalis mit zahlreichen Zuchtformen), Nordamerika

Natternkopf (Echium spec.)

Nur Echium vulgare ist einheimisch!

Ringelblume (Calendula officinalis)

vermutlich Mittelmeerraum

Roter Lein (Linum grandiflorum)

Algerien (dort Endemit!)

Schleierkraut (Gypsophila spec.)

Hauptsächlich Südeuropa, zahlreiche Zuchtformen

Schmuckkörbchen (Cosmea bipinnata)

Arizona, Mexico, Guatemala, Costa Rica

Seidenmohn (Papaver rupifragum)

Kaukasus, Kleinasien

Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis)

u.a. Europa (ehemaliges Acker-„Unkraut“)

Sommer-Rittersporn (Consolida ajacis)

Südeuropa (wärmere Gegenden)

Sonnenblume (Helianthus annuus)

Nord- und Mittelamerika

Steppen-Rittersporn (Consolida spec.)

Ungarn

Vogeläuglein (Gilia tricolor)

Kalifornien

 

Im Zusammenhang mit dieser Liste möchte ich darauf hinweisen, dass „Fachleute“ den derart zusammengesetzten Blumenwiesen einen hohen Wert bescheinigen, - so zum Beispiel auch einige Imker aus unserer Region. Einer hat sogar letztlich in der hiesigen Lokalpresse das Aussäen in der freien Landschaft gefordert.

 

Man sollte an dieser Stelle daran erinnern, dass neben anderen Verantwortlichen es Imker gewesen sind, welche die Ausbringung von Arten wie Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia), aber vor allem Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) und Himalaja-Springkraut (Impatiens glandulifera) veranlasst und dadurch schweren Schaden für die einheimische Natur verursacht haben. Mit zum Teil enormen finanziellen Aufwand versuchen nun die zuständigen Behörden und zusätzlich ehrenamtliche Mitarbeiter verschiedener Gruppierungen die Auswirkungen zu minimieren, indem sie diese Fremdkörper in der mitteleuropäischen Flora bekämpfen und beseitigen.

kornblumenblau ?
kornblumenblau ?

 

Im Falle der hier behandelten Blumenwiesen besteht auch eine besondere Gefahr darin, dass die zunächst in beetähnlichen Flächen kultivierten Pflanzen auswildern und in die freie Landschaft gelangen. Laut Landschafts- und Naturschutzgesetz ist es ausdrücklich verboten, gebietsfremde oder gar durch Züchtung veränderte Arten wegen der drohenden Florenverfälschung anzusiedeln.

 

Problematisch ist die Anlage von solchen Blumenwiesen vor allem in der Nähe von Naturschutzgebieten. In der Stadt Alsdorf ist dies zum Beispiel bei einem Abstand von nur wenigen Metern bei der Bergehalde Anna 1 an der B 57 der Fall.

Besonders beliebt ist nämlich die Anlage von Blühflächen entlang der Straßen. Hierzu wird oft genug sogar ein Bodenaustausch vorgenommen. Auf den anderen, nicht derart kultivierten Randstreifen wird dann mehrmals im Jahr radikal gemäht, damit so genannte „Unkräuter“ erst gar nicht hochkommen und vielleicht auch noch die schönen Blumenwiesen durchsetzen können.

 

Die abschätzig als Unkräuter bezeichneten Gewächse sind in Wirklichkeit einheimische Blütenpflanzen wie Schafgarbe, Wegerich, Klatschmohn, Wilde Möhre, Wiesen-Kerbel, Bärenklau, Rainfarn, Kamille, Habichtskräuter und Löwenzahn („Pusteblumen“), Margerite, Hahnenfüße („Butterblumen“), Johanniskraut, Taubnessel, Natternkopf - kurz: alles was unseren (Wild-) Bienen, Hummeln und sonstigen Insekten fast ganzjährig wirklich Nahrung bietet.

 

Alle Fotos: Wolfgang Voigt                   Alsdorf, im August 2013

az-web.de vom 12. September 2013 / ehg

Grünen-Umweltpreis an Helfer von Katzen und Bienen

Auszug:


Alle zwei Jahre verleiht der Ortsverband Würselen von Bündnis 90/Die Grünen seinen Umweltpreis für besondere Verdienste im Umwelt- und Sozialbereich. Wie in den vorausgegangen Jahren wurde auch dieses Mal der Preis wieder „geteilt“.

...
„Unser zweiter Preisträger ist nicht eine einzelne Person, sondern eine Gruppe von Leuten, die sich regelmäßig in besonderem Maße für den Schutz der Natur und der Artenvielfalt engagieren“, wandte sich die Fraktionsvorsitzende, Dr. Renate Knauf, den Würselener Bienenzüchtern zu. Dr. Bruno Weyers sei es vor einigen Jahren gewesen, der ihr voller Enthusiasmus von einem Naturschutzprojekt berichtet habe, das er gemeinsam mit den Mitgliedern des Bienenzuchtvereins schon seit geraumer Zeit in Euchen realisiere. Die Rede war von Blühflächenprojekten. In den Zeiten der intensiven Landwirtschaft gebe es zwischen den Monokulturen nur selten noch etwas Buntes.

Früher, so Dr. Renate Knauf, habe es überall, an den Weges- und Feldrändern, in Gärten und Wiesen, geblüht. „Dies sorgte dafür, dass die blütensuchenden Insekten, Schmetterlinge, Bienen und Käfer genügend Nahrung fanden und der Naturkreislauf funktionierte. Die heute vorherrschenden Monokulturen bieten ihnen keine Nahrungsgrundlage mehr, sie verhungern und sterben aus.“ Da die Bienen für den überwiegenden Anteil der Befruchtung der Kulturpflanzen beitrügen, sei der Schutz ihrer Nahrungsgrundlage für den Menschen ebenso überlebenswichtig.

Für die Anlage von Blühfläche habe gesprochen und spreche auch noch ihr „wunderschöner Anblick“. Nicht zu übersehen sei die Kostenersparnis für die Stadt. „Es hat sich schnell gezeigt, dass die Anlegung von Blühflächen wesentlich preiswerter ist als die kontinuierliche Rasenpflege.“ Die Stadtkasse habe schon im ersten Jahr um einige tausend Euro entlastet werden können.

An die Bienenzüchter gewandt: „Möge es mehr Menschen wie Sie geben, die sich so engagiert in ihrer Freizeit für Sinnvolles einsetzen, so würde unsere Welt sicherlich ein bisschen vielfältiger, artenreicher und vor allem bunter aussehen. Möge die kleine Anerkennung von uns Sie dazu ermutigen, sich auch weiterhin in Sachen Artenschutz zu motivieren.“

...

„Unser zweiter Preisträger ist nicht eine einzelne Person, sondern eine Gruppe von Leuten, die sich regelmäßig in besonderem Maße für den Schutz der Natur und der Artenvielfalt engagieren“, wandte sich die Fraktionsvorsitzende, Dr. Renate Knauf, den Würselener Bienenzüchtern zu. Dr. Bruno Weyers sei es vor einigen Jahren gewesen, der ihr voller Enthusiasmus von einem Naturschutzprojekt berichtet habe, das er gemeinsam mit den Mitgliedern des Bienenzuchtvereins schon seit geraumer Zeit in Euchen realisiere. Die Rede war von Blühflächenprojekten. In den Zeiten der intensiven Landwirtschaft gebe es zwischen den Monokulturen nur selten noch etwas Buntes.

Früher, so Dr. Renate Knauf, habe es überall, an den Weges- und Feldrändern, in Gärten und Wiesen, geblüht. „Dies sorgte dafür, dass die blütensuchenden Insekten, Schmetterlinge, Bienen und Käfer genügend Nahrung fanden und der Naturkreislauf funktionierte. Die heute vorherrschenden Monokulturen bieten ihnen keine Nahrungsgrundlage mehr, sie verhungern und sterben aus.“ Da die Bienen für den überwiegenden Anteil der Befruchtung der Kulturpflanzen beitrügen, sei der Schutz ihrer Nahrungsgrundlage für den Menschen ebenso überlebenswichtig.

Für die Anlage von Blühfläche habe gesprochen und spreche auch noch ihr „wunderschöner Anblick“. Nicht zu übersehen sei die Kostenersparnis für die Stadt. „Es hat sich schnell gezeigt, dass die Anlegung von Blühflächen wesentlich preiswerter ist als die kontinuierliche Rasenpflege.“ Die Stadtkasse habe schon im ersten Jahr um einige tausend Euro entlastet werden können.

An die Bienenzüchter gewandt: „Möge es mehr Menschen wie Sie geben, die sich so engagiert in ihrer Freizeit für Sinnvolles einsetzen, so würde unsere Welt sicherlich ein bisschen vielfältiger, artenreicher und vor allem bunter aussehen. Möge die kleine Anerkennung von uns Sie dazu ermutigen, sich auch weiterhin in Sachen Artenschutz zu motivieren.“

Grünen-Umweltpreis an Helfer von Katzen und Bienen - Lesen Sie mehr auf:
http://www.aachener-zeitung.de/lokales/nordkreis/gruenen-umweltpreis-an-helfer-von-katzen-und-bienen-1.655467#1452473715
„Unser zweiter Preisträger ist nicht eine einzelne Person, sondern eine Gruppe von Leuten, die sich regelmäßig in besonderem Maße für den Schutz der Natur und der Artenvielfalt engagieren“, wandte sich die Fraktionsvorsitzende, Dr. Renate Knauf, den Würselener Bienenzüchtern zu. Dr. Bruno Weyers sei es vor einigen Jahren gewesen, der ihr voller Enthusiasmus von einem Naturschutzprojekt berichtet habe, das er gemeinsam mit den Mitgliedern des Bienenzuchtvereins schon seit geraumer Zeit in Euchen realisiere. Die Rede war von Blühflächenprojekten. In den Zeiten der intensiven Landwirtschaft gebe es zwischen den Monokulturen nur selten noch etwas Buntes.

Früher, so Dr. Renate Knauf, habe es überall, an den Weges- und Feldrändern, in Gärten und Wiesen, geblüht. „Dies sorgte dafür, dass die blütensuchenden Insekten, Schmetterlinge, Bienen und Käfer genügend Nahrung fanden und der Naturkreislauf funktionierte. Die heute vorherrschenden Monokulturen bieten ihnen keine Nahrungsgrundlage mehr, sie verhungern und sterben aus.“ Da die Bienen für den überwiegenden Anteil der Befruchtung der Kulturpflanzen beitrügen, sei der Schutz ihrer Nahrungsgrundlage für den Menschen ebenso überlebenswichtig.

Für die Anlage von Blühfläche habe gesprochen und spreche auch noch ihr „wunderschöner Anblick“. Nicht zu übersehen sei die Kostenersparnis für die Stadt. „Es hat sich schnell gezeigt, dass die Anlegung von Blühflächen wesentlich preiswerter ist als die kontinuierliche Rasenpflege.“ Die Stadtkasse habe schon im ersten Jahr um einige tausend Euro entlastet werden können.

An die Bienenzüchter gewandt: „Möge es mehr Menschen wie Sie geben, die sich so engagiert in ihrer Freizeit für Sinnvolles einsetzen, so würde unsere Welt sicherlich ein bisschen vielfältiger, artenreicher und vor allem bunter aussehen. Möge die kleine Anerkennung von uns Sie dazu ermutigen, sich auch weiterhin in Sachen Artenschutz zu motivieren.“

Grünen-Umweltpreis an Helfer von Katzen und Bienen - Lesen Sie mehr auf:
http://www.aachener-zeitung.de/lokales/nordkreis/gruenen-umweltpreis-an-helfer-von-katzen-und-bienen-1.655467#1452473715
Balkonkasten oder Straßenrand ?
Balkonkasten oder Straßenrand ?

Aachener Zeitung vom 23. September 2013

Summendes Rheinland: Blumen für Wildbienen

Bonn. Die in ihren Beständen gefährdeten Wildbienen und andere bestäubende Insekten sollen im Rheinland besseren Lebensraum erhalten. Dieses Ziel verfolgt das Projekt „Summendes Rheinland“ aus einem vom Bund geförderten Programm zum Erhalt der Artenvielfalt. Gefragt ist vor allem die Kooperation von Landwirten in intensiv genutzten Ackerbauregionen zwischen Aachen, Köln und Bonn, um mehr „blühende Landschaften“ zu schaffen. Blühende Zwischenfrüchte sollen für ein reichhaltiges Nahrungsangebot auch außerhalb der Rapsblüte sorgen. Mit Säumen und Feldrainen sollen mehr blühende Strukturen angelegt werden. Außerdem werden in Feldern mit Nistmaterial gefüllte Drahtgitterkörbe aufgestellt, um den Bestäubern Nistmöglichkeiten zu bieten. (dpa)

 

Saatgutliste "Summendes Rheinland"

wissenschaftlicher Name deutscher Name
Kräuter:  
Achillea millefolium Schafgarbe
Agrimonia eupatoria Odermennig
Campanula rapunculoides Acker-Glockenblume
Centarea cyanus Kornblume
Centaurea jacea Wiesen-Flockenblume
Centaurea scabiosa Skabiosen-Flockenblume
Cichorium intybus Wegwarte
Crepis biennis Wiesen-Pippau
Galium mollugo Wiesen-Labkraut
Hypericum perforatum Tüpfel-Johanniskraut
Knautia arvense Wiesen-Witwenblume
Leucanthemum vulgare Magerwiesen-Margerite
Lotus corniculatus Gewöhnlicher Hornklee
Malva moschata Moschus-Malve
Origanum vulgare Gewöhnlicher Dost
Papaver rhoeas Klatsch-Mohn
Tanacetum vulgare Rainfarn
Tragopogon pratensis Wiesen-Bocksbart
Verbascum nigrum Schwarze Königskerze
Verbascum thapsus Kleinblütige Königskerze
Gräser:  
Agrostis capillaris Rotes Straußgras
Cynosurus cristatus Kammgras
Festuca nigrescens Horst-Rotschwingel
Poa pratensis Wiesen-Rispe
 
Datenquelle: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft 03/2012

"In einem solchen Projekt wird selbstverständlich eine Evaluierung sowie ein faunistisches Monitoring durchgeführt, um den Maßnahmenerfolg zu dokumentieren. Darüber hinaus führt die Stiftung bei jeder geförderten Maßnahme eine Umsetzungskontrolle durch."

(SIMON KEELAN von der Stiftung gegenüber NABU Aachen-Land, Juli 2014)

 

Weitere Informationen:
http://www.rheinische-kulturlandschaft.de/summendesRheinland

 

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13. Januar 2019

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