Neues Wildbienen-Projekt im Bürgerwald: NABU schafft wertvollen Lebensraum für bedrohte Arten
Im neuen Bürgerwald in Würselen ist ein ungewöhnliches Naturschutzprojekt entstanden: Mitglieder des NABU Aachen-Land haben dort ein sogenanntes Hochbeet-Sandarium gebaut – einen speziell angelegten Nistplatz für bodenbrütende Wildbienen. Mit mehreren Tonnen Sand, alten Tondachziegeln und viel Handarbeit wurde damit ein neuer Lebensraum für zahlreiche bedrohte Bestäuber geschaffen.
Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich die engagierten Naturschützer, um den dringend benötigten Lebensraum für bedrohte Bestäuber zu schaffen. Sieben Ehrenamtliche verarbeiteten fast sieben Tonnen ungewaschenen Sand, setzten Ziegel aufeinander und verdichteten das Material Schicht für Schicht. Entstanden ist ein rundes Bauwerk mit etwa 2,4 Metern Durchmesser und 1,2 Metern Höhe. Durch die erhöhte Bauweise vergrößert sich die nutzbare Nistfläche erheblich gegenüber einem klassischen ebenerdigen Sandarium.
Das Sandarium auf der neuen Bürgerwaldfläche in Würselen (Bild: Dr.Renate Knauf)
Hintergrund des Projekts ist ein Problem, das vielen Menschen kaum bekannt ist: Der Großteil der heimischen Wildbienen lebt nicht in Insektenhotels. Von rund 560 Wildbienenarten in Deutschland bauen etwa 420 ihre Brutröhren direkt in sandige Böden. Dafür benötigen sie trockene, sonnige und möglichst wenig bewachsene Flächen. Genau diese Lebensräume verschwinden jedoch zunehmend – unter anderem durch Flächenversiegelung, intensive Landwirtschaft und stark aufgeräumte Gärten.
„Viele Menschen wollen Wildbienen helfen und hängen Insektenhotels auf. Das ist sinnvoll, erreicht aber nur einen kleinen Teil der Arten“, erklärt Udo Thorwesten vom Vorstand des NABU Aachen-Land. Ein Sandarium schaffe dagegen gezielt Lebensraum für die große Gruppe der bodennistenden Wildbienen.
Die Konstruktion besteht aus versetzt gestapelten Tondachziegeln, deren Zwischenräume mit Sand verfüllt wurden. Teilweise integrierten die Helfer zusätzlich Reetbündel, die auch hohlraumbewohnenden Wildbienen Nistmöglichkeiten bieten.
Die Idee zu dem Projekt brachte Dr. Renate Knauf, Würselener NABU-Aktive, ein. Sie war zuvor im Internet auf ähnliche Anlagen aufmerksam geworden. Ursprünglich verwendete Spezialziegel seien heute allerdings schwer erhältlich und teuer. „Normale Tondachziegel funktionieren ebenfalls sehr gut“, erläutert Petra Borowka-Gatzweiler, Vorsitzende des NABU Aachen-Land. Entscheidend sei vor allem die richtige Sandmischung. „Damit die von den Bienen gegrabenen Röhren stabil bleiben, müsse unbedingt ungewaschener, lehmhaltiger Sand verwendet werden.“ ergänzt Dr. Renate Knauf.
Die erste Reihe (Bild: Dr.Renate Knauf)
Unterstützung erhielt das Projekt auch vom städtischen Baubetriebshof, der den benötigten Sand spendete. Heinz-Gerd Groten, operativer Leiter des Baubetriebshofs für die Grünflächen im Würselener Stadtgebiet, begrüßt das neue Bauwerk im Bürgerwald ausdrücklich: „Hier stehen bereits rund 45 Obsthochstämme und Wildobstbäume, die bestäubt werden wollen. Das Sandarium ergänzt den Bürgerwald daher ideal.“
Der Bau schreitet voran (Bild: Dr.Renate Knauf)
Zum Schutz vor Katzen und anderen Tieren ergänzten die Helfer das Bauwerk abschließend mit Totholz und dornigem Geäst. Zusätzlich könnten künftig noch trockenheitsverträgliche Blühpflanzen rund um das Sandarium gesetzt werden – etwa Lavendel, Salbei, Rosmarin, Oregano oder verschiedene heimische Wildblumenarten.
Bis sich die ersten Wildbienen ansiedeln, kann allerdings etwas Zeit vergehen. Die Besiedelung eines Sandariums dauert oft mehrere Jahre. Haben die Tiere jedoch einmal einen geeigneten Standort gefunden, kehren sie häufig über Generationen hinweg dorthin zurück.
(Bild: Dr.Renate Knauf)
Wer selbst etwas für Wildbienen tun möchte, benötigt dafür übrigens keinen großen Garten: Schon ein kleiner sonniger Sandhaufen aus ungewaschenem, lehmhaltigem Sand kann einen wichtigen Beitrag leisten. Informationen und Bauanleitungen bieten unter anderem der NABU und der BUND.
Bild:Petra Borowka-Gatzweiler, Vorsitzende des NABU Aachen-Land, Wilfried Gatzweiler, Manfred Grohe, Udo Thorwesten, Schriftführer, Dr. Renate Knauf, Initiatorin des Projekts (von links). Nicht auf dem Foto, aber aktiv dabei: Franz-Josef Butz und Nils Havertz
Text: Dr.Renate Knauf