Giftiger Liguster

Ligusterfrüchte (Foto: Wolfgang Voigt)
Ligusterfrüchte (Foto: Wolfgang Voigt)

 

Die Aachener Zeitung meldet:

Liguster-Hecke wird entfernt

Stolberg-Atsch. Abschied von seiner Liguster-Hecke nimmt der Kindergarten an der Mozartstraße in Atsch.
Eltern hatten sich bei der Stadt beschwert, dass die Beeren des Strauchs für ihre Kinder giftig sein könnten, falls sie gegessen werden. Seit Donnerstag sind Mitarbeiter des Technischen Betriebsamtes damit beschäftigt, die Hecke auszupflanzen.
Die Liguster-Pflanzen werden umgesetzt und u.a. an der neuen Umrandung des Sportplatzes Rotsch aufs Neue gedeihen. Der Kindergarten verliert damit ein Stück Grün, denn eine Ersatzpflanzung ist nicht vorgesehen.

(-jül-) (02.01.2003)


Wolfgang Voigt reagiert mit folgendem Leserbrief:

„Giftige“ Ligusterhecke

Armes Stolberg, das offenbar kein funktionierendes Umweltamt hat, um einen derartigen Unfug zu verhindern! Arme Kindergärten und Elternhäuser, die nicht mehr in der Lage sind, die Kinder gegen die normalen weil natürlichen Gefahren des Alltags fit zu machen! Wo bleibt ein vergleichbares Engagement der Eltern gegen all das Gift, das sie gezwungenermaßen tagtäglich an die lieben Kleinen verfüttern müssen?!
Ist es ein Trost, dass wenigstens die Liguster-Sträucher per Umpflanzung die ganze Prozedur überleben (können)???

(02.01.2003)
Wolfgang Voigt
Entenweg 12, 52447 Alsdorf 

Der Kabelkiller


 

 

Unser Steinmarder wird immer mehr zum Automarder.


Von Ulrike Ziskoven

 

 

 

Wo die flinken Kameraden des Nachts im Motorraum zubeißen, leisten sie ganze Arbeit: Zündkabel, Kühlwasser- und Heizungsschläuche, Achsmanschetten, Dämmmaterial oder die Kabel der Bordelektronik - kaum ein Teil ist vor den spitzen Fangzähnen der Steinmarder sicher, Hauptsache es ist mundgerecht und weich im Biss. Autofahrer erkennen den nächtlichen Besucher morgens nur noch am einsamen Klicken des Zündschlüssels, auf das melancholische Stille folgt.

Dabei ist es den bei uns weit verbreiteten Steinmardern ganz egal, ob sie sich ihre Kaugummi-Ration unter Vaters Edelkarosse holen oder Muttis kleinem Zweitwagen. Es ist noch nicht einmal Hunger, der sie unter die Motorhaube treibt. Sie zerbeißen die Kabel nur und fressen auch keine Dämmstoffe - Marder mögen Aas, Abfälle, Kleinsäuger, Jungvögel und Insekten. Der Autoverbiss erklärt sich vielmehr aus dem allgemeinen Verhalten der Tiere: Steinmarder sind äußerst neugierig und verspielt, und so ein Motorraum hat allerhand zu bieten. Zudem ist er ein ideales Versteck oder ein warmer Platz für ein kleines Nickerchen.

Besonders im Frühjahr gibt es Kabelsalat, denn dann herrscht Revierkampf vor der Paarungszeit im Sommer. Von Haus aus schon kein Softie, wird ein Mardermännchen jetzt besonders aggressiv. Hat die Konkurrenz eine Duftmarke im Motorraum hinterlassen, wird besonders herzhaft zugebissen. Wiederholter Marderbefall ist also kein unerklärliches Autofahrerschicksal. Wahrscheinlich wurde der Wagen tagsüber ahnungslos durch ein Fremdrevier gefahren. Der Duft des vermeintlichen Rivalen klebt dann am Unterbau fest.

Alle Jahre wieder bringt Martes foina von Flensburg bis Passau Autobesitzer zur Verzweiflung. Sein "Appetit" auf Autos kommt sie teuer zu stehen, und nur wenige Versicherer wollen Marders Zeche zahlen. Dabei sieht der 40 bis 50 Zentimeter lange Kerl eigentlich richtig nett aus. Mit munteren Knopfaugen, graubraunem Streichelfell, langem Wuschelschwanz und weißgeränderten Spitzöhrchen schaut er freundlich drein - falls man ihn zu Gesicht kriegt. Wieselflink entkommt er nächtlichen Auflauerern, huscht als Schatten an der Hauswand hoch, Kurs in Richtung Dachboden. Dort wohnt der Kulturfolger bevorzugt und schreckt auch gerne nachts als lauter Poltergeist. Tipps gegen ungebetene Mitbewohner: Schlupflöcher tagsüber suchen und nachts, wenn die Marder draußen sind, verstopfen. "Frankfurter Pfannen" als Dachziegel können Marderpfoten auch nicht heben.

Die Schlagzeilen in den Zeitungen reichen von düsteren Endzeitvisionen - "Marder-Angriff auf unsere Zivilisation" - über Horror à la Stephen King: "Ein ganzes Dorf in Angst und Schrecken..." bis zum kriminalistischen "Autokiller auf vier Pfoten".

Dabei ist gegen den enormen Gummiappetit des Steinmarders dauerhaft kein Kraut gewachsen, auch kein Hundehaar oder Knoblauch. Eine vom ADAC gesammelte Hausmittelliste deutscher Autofahrer ist so lang wie seltsam. Fallen sind die schlechteste Alternative. Marderjagd ist per Gesetz sowieso nur anerkannten Jägern erlaubt. Oft kommt es selbst dort zu Fehlfängen durch technische Defekte. Dann verenden die Tiere unter unvorstellbaren Qualen. Bei Befreiungsversuchen etwa aus Köderabzugseisen beißen sich die Marder oft die eingeklemmte Pfote ab. Auch bei Sektionen fand man regelmäßig Krallen und Haare im Magen verendeter Tiere. Das Problem lösen Fallen sowieso nicht, denn der nächste Marder freut sich über das freigewordene Revier.

Geplagte Autofahrer helfen sich am besten mit abgeschlossenen Garagen oder, falls das nicht möglich ist, mit Einbausätzen aus dem Fachhandel. Kunststoffplatten werden unter dem Motorraum befestigt, an deren Rändern starke Kupferdrähte verlaufen. Stromimpulse aus der Fahrzeugbatterie versetzen dem Marder schmerzhafte aber harmlose Schläge.

Technisch weniger aufwendig sind gründliche Motorwäschen nach der Reparatur und ein Stück Maschendraht, auf den Boden unter den Motorraum gelegt. Tritt der Marder auf den Draht, erschreckt er sich und wird den Wagen in der Regel künftig meiden. Auch stabile Kabelumhüllungen aus dem Kfz-Zubehörhandel können helfen.

 

Naturschutz heute, Ausgabe 3/99 vom 6. August 1999

AVZ, 26. August 1994

Kein Fall für Alfred Hitchcock

Krähen in Rolduc

Herzogenrath/Kerkrade. "Unerträglich belästigt" fühlten sich die Bewohner der Hochhäuser an der Gierlichsstraße. Und zwar von "Riesenkrähen", die angeblich im angrenzenden Rolducer Wald nisteten.

 

Durch offenstehende Fenster und Balkontüren seien sie in Wohnungen geflogen, die sie "regelrecht verwüsteten".

 

Abhilfe haben sich die verängstigten Bewohner von der Kerkrader Stadtverwaltung erbeten. Mit mehreren drastischen Beispielen untermalten die Betroffenen ihr Anliegen. So habe eine "Riesenkrähe" in "unmittelbarer Nähe" eines Kleinkindes an dessen Spielsachen gepickt und in der Küche einer alten Dame, die im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß, Schaden angerichtet, unter anderem das Hörgerät "rumgeschmissen" ...

 

Wind von diesen "bedrohlichen" Zuständen hatte auch Karl Gluth, passionierter Natürschützer im Wurmrevier, bekommen. Mit dem Landschaftswart ging er an der Gierlichsstraße auf die Pirsch - und konnte keine Riesenkrähen entdecken. Kein Wunder, der Hausmeister hatte bereits gehandelt, wie Gluth berichtet. Die Invasion von Riesenkrähen hatte sich nämlich als ein zahmer Einzelvogel herausgestellt, der, offenbar ausgebüchst, wieder menschliche Nähe und vor allem Futter suchte.

 

Der Hausmeister hatte den Vogel zu einem Jäger gebracht, in dessen Voliere das Tier sich jetzt laufend durch ein deutliches "Aua Jakob" bemerkbar macht.

 

Vor dieser harmlosen Auflösung des vermeintlichen Schauerszenarios habe der niederländische Jäger allerdings schon einige unschuldige Rabenkrähen abgeschossen, empört sich Gluth. Hitchcock läßt grüßen.

 

Die Stadt Kerkrade hat derweil mit der Mitteilung gekontert, im Rolducer Wald seien keine übermäßig vielen Krähen zu finden. Im übrigen sei die Gierlichsstraße Herzogenrather Beritt.

(bea)

Archiv Naturschutz heute



Vom weißen Storchen im deutschen

Land


von Klaus Ruge


„Was schallt durch alle Straßen horch!
Der Storch, der Storch!
Und stattlich tritt auf den Altarn
der Stadttrompeter, und fängt an
zu blasen aus wahrer Herzens Lust.
Es eilt sein Weib im schnellsten Sprung,
zu holen den köstlichen Ehrentrunk,
den der Stadtkellner seit alter Zeit
ihr für die frohe Botschaft beut."


Im 17. und 18. Jahrhundert war es in manchen Städten Brauch, dass die Turmwächter die ersten Störche mit Trompetenschall empfingen. In den Stadtschulen wurde der Unterricht abgebrochen, und die Kinder verbreiteten die Botschaft von der Ankunft des Frühlings und erhielten dafür Süßigkeiten und Kekse.


Störche galten als Boten des Glücks, und der niederdeutsche Name Adebar wird als Glücksbringer gedeutet. Die Menschen brachten Wagenräder auf dem Dach an, um den Störchen den Nestbau leichter zu machen. Ein Storchennest auf dem Dach schützt vor Blitz und Feuer. Wenn die Störche auf dem Nest mit ihren Schnäbeln klapperten, sagte man in der Schweiz, sie sprächen ihr Abendgebet.


Störche sind aber für allerlei abergläubige Vorstellungen gut. Die Bauernregel sagt, wenn der Storch nach langer Trockenheit auffallend schmutzig ist, dann gibt es in Bälde Regen. Reisen die Störche früh ab, ist nach dem Glauben der Basler ein früher Winter zu erwarten. Haben die Störche aber mit dem Abzug keine Eile, lässt auch der Winter auf sich warten. Sieht man den ersten Storch des Jahres, sollte man Geld in der Tasche haben, dann nämlich geht es das ganze Jahr über nicht aus.

In alten Schriften wird das Fleisch des Storches als ungenießbar bezeichnet. Afrikaner, die Störche schießen und essen, werden das kaum bestätigen können. Doch in der Volksmedizin spielte der Storch in früherer Zeit eine große Rolle. Die Ärzte des klassischen Altertums schrieben einem Sud aus Storchenmagen eine große Heilkraft zu. Storchenteile und Innereien wurden zu Medizin verarbeitet. Wer Storchenblut trinkt, heißt es, erzielt ein langes Leben.


All diese Dinge mögen uns heute als etwas befremdlich und eher grausam anmuten. Da ist uns die Rolle des Storches als Kinderbringer sympathischer. Und Kinderbringer und Glücksbringer, das liegt ja auf der gleichen Linie. Allbekannt ist der Kinderreim


„Storch, Storch guter
bring mit einen Bruder.
Storch, Storch bester
bring mir eine Schwester."


Im Erzgebirge bringt der Storch die Kinder aus dem Teich. Die artigen Knaben und Mädchen auf dem Rücken, die bösen Jungen im Schnabel. In Böhmen lässt der Storch die Kinder durch den Rauchfang fallen, wo die Hebamme sie auffängt. Brütet er auf dem Hause eines jungen Paares, dann bekommt das so viele Kinder wie der Storch Junge hat.


Im Volksglauben halten sich das Storchenmännchen und das Storchenweibchen ihr Leben lang die Treue. Die Störche heißt es, dulden es nicht, wenn ein Weibchen ein anderes Männchen nimmt. Über den Treuelosen halten sie strenges Gericht. Eine Sage berichtet: Es war an einem Sonnabend des Jahres 1355, als gegen Abend eine große Anzahl Störche in der Stadt Kreuzburg ankamen. Alle Kirchendächer, alle Türme und Häuser waren mit ihnen bedeckt. Die Kreuzburger wunderten sich und rätselten, was dies wohl zu bedeuten habe. Sie erfuhren es am nächsten Tag.


Als nämlich die Glocke zur Messe geläutet wurde, machten sich alle Störche auf und flogen vor die Stadt auf eine Wiese. Die Leute folgten ihnen und sahen, dass die Störche sich in zwei Gruppen teilten. So, als wollten sie beraten. Als die Störche nach einiger Zeit wieder davonflogen, fand man drei tote Störche auf der Wiese, und einige Leute, die besonders gut unterrichtet zu sein glaubten, erzählten, dass sich die drei Störche des Ehebruchs schuldig gemacht hätten und nun vom Storchengericht bestraft worden seien. In manchen Gegenden Deutschlands, in Westfalen und Ostpreußen, erzählt man sich, die Störche lebten nur im Sommer als Vögel. Im Herbst zögen sie in fremde Länder – in Länder, wo sie zu Menschen würden.


Heute werden wir den alten Vorstellungen kaum noch Glauben schenken, sie allenfalls als liebenswerte Erzählungen betrachten. Und dennoch, es wäre gut, wir würden etwas von der Storchenverehrung in unsere Zeit retten. Und zwar so, dass wir Störche als Tierpersönlichkeiten achten, dass wir bereit sind, ihnen neben uns Lebensraum und Lebensrecht zu gewähren.


aus: Naturschutz heute, Ausgabe 3/1994, S. 27

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