Hochwasserschutz durch Renaturierung

von Wolfgang Voigt

“Seit 1945 wurden rund 40.000 Kilometer Bach- und Flussstrecke in der Bundesrepublik kanalisiert und betoniert.

Die Sünden der Vergangenheit rächen sich: Flächenversiegelung bis an die Betonufer begradigter Fließgewässer ziehen alljährlich immer bedrohlichere Hochwasser-Situationen nach sich. Wo bisher keine Überbauung stattgefunden hat, bedrängen Forst- und Landwirtschaftsflächen sowie Sonderkulturen auf entwässerten oder verkippten, ehemaligen Auenbereichen die Bäche und Flüsse, verbunden mit der bekannten Problematik der Einschwemmung von Gülle, Düngemitteln und Bioziden.

 

Vorbei ist es mit der Selbstreinigungskraft innerhalb ausgedehnter Schilfzonen und Auwälder. Verloren sind die natürlichen Rückhaltekapazitäten großzügiger Feuchtwiesen. Natürliche Mäander sind rar geworden, ihre Bremswirkung auf die Fließgeschwindigkeit nicht mehr gegeben.
Neben den angesprochenen Folgen (Hochwasser, “Umkippen”) zeugen vor allem die “Roten Listen” von den Auswirkungen auf die ehemals intakten Ökosysteme: Rückgang unzähliger Pflanzen- und Tierarten in Feuchtgebieten.


Aus ökologischer Sicht liegt die Lösung der Probleme alleine in der umfangreichen Renaturierung der Bachläufe. Die oft geforderten künstlichen Rückhaltebecken kann nur jemand ernsthaft vertreten, dem es lediglich um den Schein-Schutz des Menschen geht, der zudem meint, der Naturhaushalt ist technisch zu regeln.”


Diese vom Autor verfasste Einleitung zur Studie “Renaturierung des Broichbachtales - Utopie oder Notwendigkeit”, die 1988 in Zusammenarbeit von DBV Alsdorf und Gruppe Broichbachtal entstanden ist, könnte heute fast genauso geschrieben werden. Vielleicht sind einige Korrekturen nötig: Seit 1988 sind manche Kilometer kanalisierter Fließgewässer hinzugekommen, die neuen Bundesländer wären zu berücksichtigen und auch die Niederschlagsmengen sind zugegebenermaßen angestiegen. Ansonsten sind aber die Ursachen für die immer katastrophaleren Hochwasser-Situationen dieselben geblieben und - was entscheidend ist - sie sind nach wie vor hausgemacht.


Im Zusammenhang mit dem geplanten Bau von Rückhaltebecken sprechen die Wasserverbände gerne von sogenannten Jahrhundertereignissen, um die Notwendigkeit von Riesen-Betonbauwerken in der Landschaft zu begründen. Dabei verschweigen sie gerne - oder sie erkennen es nicht -, dass die Hochwasser-Katastrophen nicht so sehr durch das Mehr an Niederschlägen, sondern eher durch das Mehr an Oberflächenabfluss zustande kommen. Hieran sind aber eindeutig die Baumaßnahmen des Menschen schuld. Es ist zwar richtig, dass auch Klimaänderungen einen Teil dazu beitragen, hätten wir aber unsere Bäche und Flüsse nicht verbaut, wären wir wohl noch lange nicht in der heutigen Notsituation.


Wir müssen abrücken von der schizophrenen Einstellung, dass man mit Hochwasserschutz das Recht auf neue Baumaßnahmen erwirbt. Hochwasserschutz muss für sich da sein, und er muss - überwiegend oder ganz - in Form von Renaturierung durchgeführt werden. Indem man den Fließgewässern ihre ursprünglichen Retentionssysteme wiedergibt, bekommt man die Hochwassergefahr in den Griff und - was sicher noch wichtiger ist - den natürlichen Wasserhaushalt ins Lot.


Solange aber Wasserverbände die Problematik nach dem Motto “Erst Rückhaltebecken - dann Renaturierung” angehen dürfen, sind wir politisch auf dem verkehrten Weg. Die Devise kann nur lauten: Zunächst sehen wir, was konsequente Renaturierung bringt, dann sollte man sich erst zusammensetzen und über weitergehende Maßnahmen nachdenken.

Alsdorf, 1988 und 2002

Letzte Aktualisierung:

13. Januar 2019

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